…sicherlich kennt jeder ambitionierte Radler das Pässe- und Rennrad Reiseportal quaeldich.de, eine eher unbekannte Funktion dieser Webseite sind die sog. Lebensziele und die Passjagd als Anreiz für das Erklimmen der schönsten und lohnendsten Pässe.
Interessant sind neben den überregionalen Highlights auch regionale Herausforderungen, so wurde ich Anfang 2025 auf das sog. ‚Belchen-System‘ aufmerksam. Hier sind in einer beliebigen Reihenfolge insg. fünf Belchen in den Vogesen, dem Schwarzwald und der Schweiz abzuradeln. Die fünf Pässe und die verschiedenen Auffahrten sind alle über das Portal in Strava markiert und werden bei korrekter Befahrung von quaeldich automatisch erkannt. Durch einen automatischen Abgleich erfolgt ein Eintrag im Strava Profil als auch im sog. Palmares (Passjagd) in quaeldich.
Mein Plan war somit, im Juni 2025 im Bikepacking Modus ab Zürich zunächst über den Chilchzimmersattel in der Schweiz, anschl. über den Ballon d’Alsace zum Grand- und Petit Ballon in den Vogesen und abschließend den Belchen im Schwarzwald zu radeln.
Leider war die Wettervorhersage für diese Woche im Juni nicht sehr motivierend, aber ich dachte, dass es schon irgendwie klappt, leider war dem nicht so…
Ich stieg also Anfang Juni in den Eurocity von München nach Zürich und radelte Nachmittags noch knapp 90km über den Chilchzimmersattel am Belchenflue vorbei in den Kurort Eptingen. Das Wetter wurde leider ständig schlechter und bei der Überquerung des Sattels regnete es im Strömen. Auch hatte ich den ganzen Tag nichts Gescheites gegessen und der Sattel zog die letzten Reserven aus mir raus. Von der anderen Seite des Sattels kamen mir einige Teilnehmer der Veranstaltung „Mittelgebirge Classique“ entgegen, ein Bikepacking Rennen quer durch den Schwarzwald und die Vogesen. Mit einigen Teilnehmern konnte ich kurz mein Leid teilen, bevor sich die Wege wieder trennten.

Nach der Abfahrt kam ich komplett versifft in meiner vorab gebuchten Unterkunft in Eptingen an und wollte nur noch raus aus den Klamotten, duschen, Essen und ins Bett. Zu meiner Überraschung handelte es sich bei der Unterkunft um ein schickes Kurhotel mit entsprechend schicken Gästen an liebevoll eingedeckten Tischen, ich kam mir völlig deplatziert vor… ein sehr zuvorkommender Kellner hatte jedoch Mitleid mit mir, outete sich ebenfalls als begeisterter Bickpacker und brachte mit im abendlichen Trubel dennoch ein riesigen Teller Bündner Fleisch incl. zwei Bier direkt auf’s Zimmer, welch ein toller Service… ich bedankte mit 10x bei ihm, das üppige Trinkgeld hatte er sich redlich verdient.
Morgens zum Frühstück war ich der einzige Gast und es gab klassisch silbernes Tafelservice ohne Buffet, wann bekommt man heutzutage noch solch ein Service. Ich war komplett baff, es war schlicht saulecker und der perfekt Start in den noch jungen Radtag.
So ging es gut ausgeruht und frisch gestärkt leider wieder bei Regen über Basel Richtung Vogesen und meinen ersten Pass in Frankreich, den Ballon d’Alsace. Oben auf dem Pass gab es leider außer Regen, Nebelsuppe und Siff nichts zu sehen und ich fuhr direkt nach Saint-Maurice-sur-Moselle ab. Hier hatte ich ein Zimmer in einer süßen kleinen Unterkunft gebucht, aus dem Zimmer sah man auf einen kleinen Bach. Was ich zu dieser Zeit noch nicht checkte war, dass es sich bei diesem Bach um die noch junge Mosel handelt, ich hatte keine Ahnung wie nah ich an der Quelle der Mosel war. Dies sagten mir erst am nächsten Morgen eine Gruppe älterer Damen, die mit mir am Frühstückstisch saßen und eine eBike Moseltour machten, welch eine peinliche Wissenslücke…

Nach einem ausgiebigen Frühstück sollte es am nächsten Morgen eigentlich zu den beiden ‚Ballons‘ in den Vogesen gehen, nur spielte leider das Wetter überhaupt nicht mit… ich traf nach der Moselquelle und einer Abfahrt über den Col de Bussang im strömenden Regen in Cernay (Sennheim) auf ein Bikepacker Pärchen, die mir wetterbedingt dringend von einer Auffahrt in die Vogesen abrieten. So musste Plan B her und ich radelte unten im Tal bei weiterhin stürmischen und regnerischen Bedingungen Richtung Colmar in meine nächste Unterkunft.
Am nächsten Morgen musste ich entscheiden, doch noch in die Vogesen oder weiter Richtung Schwarzwald zu radeln, leider reichte ein Blick in den Himmel für die Entscheidung pro Schwarzwald… so ging es durch die Rheinebene am Kaiserstuhl vorbei das liebliche Münstertal hoch nach Schönau im Schwarzwald. Hier wurde ich am Ortseingang von einem riesigen Plakat des ehemaligen Fussball Bundestrainer Jogi Löw begrüßt… gut, nun weiß ich auch, wo er seine Jugend verbrachte.

Das leidige Thema Wetter hielt mich leider weiterhin auf Trab und so wurde am nächsten Tag die großartige Aussicht vom Belchen im Schwarzwald auch wieder von Regen begleitet… durch den Sturm am Gipfel verzogen sich zumindest mal die Wolken und man konnte kurz den phantastischen Blick genießen, auch ist der Gipfel komplett autofrei über eine kleinen asphaltierten Stichweg erreichbar, da muss ich nochmal bei schönem Wetter hoch. Jedoch war die Auffahrt von Schönau zum Belchen hoch ein sehr verkehrsarmer Genuss. Über kleine Nebenstraßen und diverse Anstiege ging es anschließend über den Freiburger Hausberg Schauinsland in einer rasanten Abfahrt nach Freiburg runter.

Von Freiburg aus ging es die nächsten beiden Tage über den Schwarzwald und am Bodensee vorbei nach Lindau, wo ich wieder in den Zug nach München stieg.
Ich konnte somit wetterbedingt mein virtuelles Badge in quaeldich für den Abschluss der ‚Belchen Systems‘ leider nicht erhalten und musste die beiden fehlenden Ballons in den Vogesen auf 2026 verschieben. Manchmal muss man halt spontan seine Pläne ändern…
