Wenn man mit ’ner kölschen Jecke verheiratet ist kommt man um den jährlichen Abstecher ins rheinische Karnevalstreiben im Grunde nicht herum. Irgendwie kam mir dieses Jahr dann kurzfristig in den Sinn, warum nicht einfach mit dem Rad nach Hause fahren… als ich den Gedanken so im Kopf hatte war es auch schon entschieden… 🙂

Also schnell die Tage vorher noch die Route geplant und sich um die Technik gekümmert. Es sollte mehr oder weniger auf direktem Weg nach Hause gehen, im kalten Februar sollte die Tour nicht länger dauern als nötig. Gemäß dem Routenplaner sollte die Strecke ca. 574km lang sein, ich rechnete somit mit mind. zwei Tagen, aufgrund dem mitunter stürmischen Wind, hohem Gravelanteil und im Februar noch kurzen Tagen sollten es am Ende drei Tage werden.

Ich bin zwar auch lange Zeit im Dunkeln gefahren, was mir eigentlich nichts ausmacht. Jedoch ist dies schade, da man dann eigentlich (und uneigentlich) von der schönen Gegend nichts sieht, so gingen z.B. Heidelberg und der schöne Neckar leider komplett im Dunkeln an mir vorbei…

wenn man einen verdammten Hunger hat schmeckt’s sogar beim Burger King… 🙂

So stand ich dann morgens früh in Köln so gegen kurz vor 6:00 Uhr abfahrbereit vor der Haustür, als mein Garmin Navi anfing rumzuzicken, obwohl die Route vorab komplett berechnet wurde. Aber ich hatte leider vergessen, die Abbieghinweise abzuschalten und so fing der Garmin an, die Route neu durchzurechnen. Was bei einer 574km langen Strecke sehr lange dauert und das Edge 1000 bei 99% meinte, daß die Strecke nicht routenfähige Anteile hätte und abstürzte… Ich habe somit bereits geschwitzt, ohne auch nur einen Meter gefahren zu sein… na ja, again what learned mit dem Garmin… nach 10min. Herzklopfen und für mich gefühlt endloser Verspätung ging es dann endlich los.

Die ersten ca. 160km ging es immer linksrheinisch flussaufwärts, durch den Rosenmontagszug in Koblenz und an der Loreley vorbei bis zum Abzweiger in Bingen die Nahe hoch. Aufgrund Rosenmontag waren die Dörfer am Rhein entlang alle wie ausgestorben, außer ein paar verstreuten Jecken und die obligatorischen Herrchen mit Hunden war kein Mensch unterwegs. Das Wetter meinte es bis auf den starken Gegenwind sehr gut mit mir, aber nach Bingen in den Weinbergen von Rheinhessen rund um Alzey herum zerrte der Wind (oder war es schon ein Sturm?) nicht nur an meinem Lenker, sondern auch an meinen Nerven.

Blick den Rhein aufwärts zum Drachenfels bei Königswinter…

Egal… was muß das muß und irgendwann ließ ich die Weinberge hinter mir und über Worms und an Mannheim vorbei suchte ich mir nach 260km spätabends ein schönes Hotel in Heidelberg.

Am nächsten Morgen ging es gegen 5:00 Uhr früh bereits wieder los den Neckar rauf. Aufgrund der Jahreszeit war es jedoch noch stockfinster, aber man war quasi selbst auf der Landstraße alleine unterwegs. Irgendwann habe ich den Neckar Richtung Heilbronn verlassen und in einem kleinen Ort mit keiner Menschenseele auf der Straße brannte auf einmal Licht… eine Bäckerei mit einem traumhaften Schokocroissant war der Lohn.

leckere Bäckerei in Neckargemünd…

Irgendwo in Neckarsulm bei der Audi AG zickte dann wieder der Garmin rum und ich fing wieder an zu schwitzen. Können die keine ausfallsicheren Geräte mit ausgereifter Software bauen, verdammte Hacke!!! Nach dreimal hartem Reset lief das Navi dann endlich wieder, zum Glück waren keine Daten verloren. Ich ließ als Backup parallel immer noch eine GPS-Uhr mitlaufen. Was wäre dies für ein Horror, wenn einem nach so einer Tour die Daten fehlen, sie hätte niemals stattgefunden… 🙂

Ich hatte grundsätzlich alle wichtigen technischen Geräte doppelt ausgelegt, sowohl ein zweites Navi als auch (ganz wichtig während der dunklen Jahreszeit) eine zweite LED-Lampe am Helm, ein Ersatzrücklicht und -Akku. Zum Glück habe ich die Backup Geräte nicht benötigt, alleine ein Umbau und Gefummel im Dunkeln wäre extrem nervig.

Irgendwo ab Aalen hat mich dann doch der erste Starkregen und sogar Schneetreiben erwischt und ich zweifelte langsam zum ersten mal daran, es noch an diesem Tag bis nach Hause zu schaffen. Die A7 als aufmunternder Wegpunkt war noch in weiter Ferne, aber der Regen hörte dann doch zum Glück wieder auf.

So fuhr ich dann irgendwann im Dunkeln durchs schöne Donau-Ries bis Dillingen. An einer Tanke traf ich dann im Sinne der Familie und für mich die richtige Entscheidung, die letzten 100km durch die Nacht nicht durchzuradeln. Bei einem Schnitt von 20km/h wären dies noch mind. 5h Fahrzeit gewesen… es war kalt und dunkel, das machte keinen Sinn, war ja schließlich zum Spaß unterwegs. Die Vernunft siegte somit über den Willen, ist auch mal nicht verkehrt. So fand ich in Dillingen ein super nettes Hotel Garni. Der Wirt fragte sofort, ob er mir noch zwei leckere Semmeln machen soll, so einen bekloppten Radfahrer mitten in der Nacht hatte er wohl auch noch nie gesehen.

Am nächsten Morgen war erstmal schön bis 6:00 Uhr ausschlafen angesagt und nach einem super leckeren Frühstück ging es dann über die Donau und Augsburg die letzten 100km ganz entspannt nach Hause.

irgendwo hinter der Donau bei Dillingen…

Da ich einen GPS-Tracker dabei hatte konnte mich die Familie die ganze Zeit lang im Internet mitverfolgen und sie fuhren mir kurz vor dem Ziel entgegen, so ging eine schöne 2.5 Tage lange Radtour pannen- und unfallfrei zu Ende.

 

 

 

 

 

 

 

Karnevalstour von Köln nach München…

2 thoughts on “Karnevalstour von Köln nach München…

  • 3. März 2017 um 07:07
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    Ich bin stolz auf Dich, hast Du prima durchgezogen. Respekt!

    Antworten
  • 3. April 2017 um 18:55
    Permalink

    Das gefällt mir! Du bist echt verrückt, aber ich kann Dich gut verstehen und Du hast meine volle Bewunderung für diese sportliche Leistung. Sei il mio nipote preferito.

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